Kammermusik Lied | Kammermusik instrumental | Sinfonische Werke | Oper
Mathias Husmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Der Komponist

Bekenntnis zum Gefühl

Mathias Husmann, am 21. Juni 2008 sechzig Jahre alt geworden, ist Dirigent, vorzüglicher Klavierbegleiter - und Komponist. Damit repräsentiert er den Typus eines Musikers, dem die Basis handwerklicher und künstlerischer Erfahrungen gar nicht breit genug sein kann. Als reiner Praktiker sollte er dennoch nicht gelten; dazu ist ihm der intellektuelle Anspruch künstlerischer Arbeit zu wichtig - von der Bedeutung interpretatorischen Sachverstandes ganz abgesehen. Und dann gibt es noch jenen tief empfundenen Drang zu einer Form von musikalischer Vermittlung, die jenseits bloßen Darbietens etwa mit "für neugierige Ohren" oder als "Werkstattbesuche" gedachten Veranstaltungen beziehungsweise thematisch genau durchdachten Programmplanungen zu umfassenderem Verstehen von Musik führen will.

Ein solches Lebens- und Arbeitskonzept ergibt sich, auf langjährigen Erfahrungen aufbauend, erst allmählich. Für den in Hamburg in die Familie eines Zeichners, Malers und Bildhauers sowie einer Pianistin hineingeborenen Mathias Husmann bedeutete dies zunächst prägende Begegnungen mit den Kompositionsprofessoren Christoph Hohlfeld, Ernst-Gernot Klussmann und Hans Poser, denen er zwischen barocker Polyphonie und Dodekaphonie sowohl die Beherrschung satztechnischer Fertigkeiten als auch die enge stilistische Vertrautheit mit Persönlichkeiten wie Schoenberg, Strauss und Hindemith verdankt.

Die folgenden, auch von vielen nationalen wie internationalen Gastdirigaten und Lehrtätigkeit geprägten beruflichen Jahrzehnte als Korrepetitor und GMD-Assistent (Hamburg), 1. Kapellmeister (Darmstadt, Mannheim, Dortmund) und Generalmusikdirektor (Ulm, Magdeburg, Vorpommern) garantierten dann jenen großen, auf der Bühne und im Konzertsaal gesammelten und wahrlich umfassenden Erfahrungsschatz, auf den Mathias Husmann mittlerweile so innovativ wie erfolgreich zurückgreifen kann. Und das betrifft nicht nur die unmittelbar praktische künstlerische Arbeit, sondern auch das Komponieren.

Der Eindruck täuscht, dass letzteres ein eher peripher berücksichtigter Arbeitsbereich sei. Sicher dominieren quantitativ die anderen Verpflichtungen, aber schon die Kenntnis weniger Werke Husmanns konterkariert jeden Gedanken an das Komponieren als Gelegenheitsbeschäftigung. Schon aus früher Studienzeit datieren erste Versuche, und die Konsequenz, mit der dann zwar weniger zahlreich, dennoch stetig Neues entsteht, sagt viel über jene Bedeutung, die Husmann dieser Form schöpferischer Arbeit beimisst.
Inzwischen liegen für Sinfonik, Oper, szenische Kantate, Lied und vielfältige Kammermusikbesetzungen Belege vor. Ein Hineinhören verrät, dass die stilistische Heimat des im Elternhaus mit der musikalischen Romantik groß gewordenen Komponisten eher bei Schumann denn in der Klassik zu suchen ist. Unnötig zu betonen, dass hier keinerlei Analogien vorliegen.

Es handelt sich um Ausgangspunkte einer allgemeinen, aber manifesten Haltung, die in der originellen Verbindung mit perfekt gehandhabten traditionellen satztechnischen Formen und Verfahren sowie der als Vorbild und Mentor bewunderten Kunst eines Günther Bialas und der "Wahlverwandtschaft" mit Maurice Ravel (technische Perfektion), Paul Hindemith (flexible Materialbehandlung) und Jean Sibelius (emotionales Unterbewusstsein) eine individuelle musikalische Sprache ergeben und - so Husmann selbst - " in einer eigenen Weise tonal" sind. Dem hinzuzufügen wäre das uneingeschränkte Bekenntnis zum Gefühlshaften, zur unverstellten Emotion - und dies nicht nur in den textgebundenen Genres Oper und Lied.

Dass jedem Werk spezifisch ausgerichtete formale und strukturelle Überlegungen vorausgehen - für Husmann ein ausgesprochen wichtiger erster Arbeitsschritt - hat dabei ebenso wenig den Charakter einer überstrapazierten Binsenweisheit, wie es sich als substanziell wichtig für das Gesamtbild einer Komposition erweist. In diesen Zusammenhang passt auch der ohne Berührungsängste genutzte Fundus des traditionellen Formenkanons - die im Wortsinne "eigenwillige" Nutzung tradierter musiksprachlicher Mittel eingeschlossen. Im Übrigen hat das "auf eigene Weise" ausgedrückte Rhetorische und Ausdruckshafte viel mit ganz persönlichem Leben und Erleben zu tun. So etwa in der dem Andenken der Sängerin Erika Wahl gewidmeten fantasia funebre, die eine bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Teile ausgeprägte strukturelle Einheitlichkeit mit hoher klanglicher Intensität und starker Expressivität verbindet.

Auch der kurze, klanglich sehr komprimierte und besonders deutlich freitonale sowie dezidiert sprachbetonte Liederzyklus Kristall verdankt sein Entstehen der Verarbeitung bewegender Eindrücke: einem Besuch in Auschwitz. Subjektiv geprägt sind zudem jene drei nachdenklichen Bobrowski-Vertonungen (Ich bin wo ich bin), die, wie auch der Zyklus nach Marie Luise Kaschnitz, für die Frau des Komponisten, die Sängerin Frauke Wehrmann entstanden und einen stilistisch ebenso unkonventionellen, stark chromatischen und harmonisch geschärften Husmann zeigen.

Besondere Gestaltungsabsichten prägen auch den Liederzyklus Die Lieder singen schöner uns die Wellen, in dem der Komponist unter Einbeziehung einer Violine - "des strengen Klangs der Geige" - und sehr unterschiedlicher Besetzung der einzelnen Abschnitte aus gegebenem Anlass die wiederum sehr persönliche Sicht auf menschliches Sterben, auf "die Annäherung an den Tod" gestaltet.

Musik als dennoch lebensbejahende, aktive Bewältigung von Krisen, das ist ein Husmann-Thema nicht nur in der Sibelius-Oper Zugvögel, nicht nur in den heute erklingenden Liedern, sondern auch - neben der "nur" anspruchsvoll konzertante Spielfreude bedienenden Klarinettensonate - in den Sieben Grotesken für Violine und Viola: Selbstbehauptung und ironisierende Trotzreaktion auf 2007, auf ein Jahr gravierender beruflicher Herausforderungen. Das abschließende, verebbende "largamente" sollte nicht täuschen; Mathias Husmann steckt mit einer dritten Oper, einer weiteren Sinfonie und mancher Kammermusik voller neuer Pläne!

Ekkehard Ochs, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

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Kammermusik (Lieder)

"Immer wieder" - Variationen über das Jahreszeiten-Thema zu Gedichten von Karl Krolow für Sopran und Klavier, 2010
Meiner Familie gewidmet

1. Thema
2. Ein heißer Tag
3. Im Herbstnebel
4. Einschneien

"Danach" - Drei Lieder nach Gedichten von Ingeborg Bachmann, 1969/2007
Paul Gerhard Kalberlah gewidmet
UA: Hamburg 1970, Gesang: Frauke Wehrmann, SP 6 Min.
An die Sonne | Alexandra Heidorn (Sopran), Mathias Husmann (Klavier)

Die Gedichte mit Versanfängen:
Schatten Rosen Schatten
Die Liebe hat einen Triumph
An die Sonne Schönes Licht

"Was war?" - Drei Lieder nach Gedichten von Karl Krolow, 1969
Ernst Gernot Klussmann gewidmet
UA: Hamburg 1970, Gesang: Anke Schultz-Eggers, SP: 6 Min.

Die Gedichte mit Versanfängen:
Etwas endet Nimm ein Märchenbuch…
Kindheit Kerzenlicht in einer Flasche…
Portrait einer Hand Fünf Nägelmonde…

"Kristall" - Drei Lieder nach Paul Celan für Sopran und Klavier, 1970/2007
In Gedanken an den 25. Juni 2007
SP: 15 Min.
Kristall
siehe Discographie

Die Gedichte mit Versanfängen:
Jenseits der Menschen Fadensonnen über der grauschwarzen Ödnis...
Nördlich der Zukunft…
In den Flüssen...
Wandert Rot zu Rot Nicht an meinen Lippen suche deinen Mund…

"Halb im Traum" - Drei Lieder nach Gedichten von Joseph Freiherr von Eichendorff, 1976
Meinem Vater gewidmet
UA: Hamburg 1976, Gesang: Frauke Wehrmann, SP: 6 Min.

Die Gedichte mit Versanfängen:
Wehmut Ich irr' in Tal und Hainen...
Spruch Trennung ist wohl Tod zu nennen...
Treue Wie dem Wanderer in Träumen...


"Die Lieder singen schöner uns die Wellen", 1981
Zyklus nach Gedichten von Marie Luise Kaschnitz für Sopran, Violine und Klavier
Meiner Frau gewidmet
UA: Mannheim 1982, Gesang: Frauke Wehrmann, Vl. Karin Boerries. SP: 30 Min.
Mehrere Mitschnitte. CD Produktion 2003
Kindheit
siehe Discographie

Die Gedichte mit Versanfängen:
Kindheit Der Kindheit Vogel ruft im lichten Haine…
Der Mond Wie wundersam erwacht Die kaum entschlafne Welt…
Am Strande Heute sah ich wieder dich am Strand…
Einst Noch sind der Berge viele und der Wälder…

Im Klaviervorspiel singt "der Kindheit Vogel", die Geige beginnt als "strenger Klang" "in der Stille". Das erste Intermezzo sucht "dem Schmerz, der Lust ein Ende abzusehen". "Der Mond" bescheint ein Duett (Sopran und Geige). Das zweite Intermezzo führt vom "Ort der Traurigkeit" zum Erlebnis "Am Strande": Hier löscht "die schönste Welle" "deiner Füße Spur". Das dritte Intermezzo geht dieser Spur nach "in die bittern Fluten", bis "Einst" das Meer uns aufnimmt: "Die Lieder singen schöner uns die Wellen, die langgesuchten Worte wehn im Winde".


"Ich bin wo ich bin" - Drei Lieder nach Gedichten von Johannes Bobrowski, 2007

Für Frauke zum 18. Mai 2007
UA Hamburg, 18.5.2007, Sopran: Bettina Grothkopf
Dorfmusik
siehe Discographie

Die Gedichte mit Versanfängen:
Ungesagt Schwer, ich wachse hinab…
Dryade Birke, kühl von Säften, Baum, der Atem…
Dorfmusik Letztes Boot darin ich fahr…

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Kammermusik (Instrumental)

Sonata landowana / Landower Sonate, 2015
Für fünfsaitigen Kontrabass, Normalstimmung, und Klavier
Carsten und Christina Zillich gewidmet
UA: Landow 2014, SP: 12 Min.

Ringraziamento für Querflöte und Klavier, 1968/2007
An Marie-Luise und Walther
UA: Hamburg 1968, Fl.: Walter Fuhrmann, SP: 6 Min.

Sonata piccola für Querflöte und Klavier, 1968
Walther Fuhrmann gewidmet
UA: Hamburg 1970, Fl.: Friedrike Gutsche
Aufn. 1971, Fl.: Renate Greiss. SP: 8 Min.

Zwei progressive Sonatinen für F-Altblockflöte und Klavier, 1969
Nr. 1 in C "mit dem Gong", Ingrid Kalberlah gewidmet. SP: 6 Min.
Nr. 2 in F Hans Poser gewidmet, SP: 8 Min.
UA: beide Hamburg 1969, Fl.: Ingrid Kalberlah

Fantasia funebre für Bratsche und Klavier, 1978/2007
UA: Hamburg 1978, Br.: Fritz Lang, Klv.: Adelheid Zur. SP: 15 Min.
Auszug (Viola: Valentina Cieslar, Klavier: Mathias Husmann)

Sonate für A-Klarinette und Klavier, 1979
Rezension

Hanno Fendt gewidmet
UA: Hamburg 1980. Kl. Hanno Fendt, Klv.: Adelheid Zur. SP 20 Min.
siehe Discographie
Auszug

Sonata alla Fantasia - in einem Satz für Violine und Klavier, 1980
Patrick Strub gewidmet
UA: Mannheim 1981, VL. Karin Boerries.
Aufn. SWR 1982, Vl. Karin Boerries. SP: 15 Min.

Trio für Violine, Violoncello und Klavier, 1982
Meiner Mutter gewidmet
UA: Hamburg 1983, Abegg-Trio, SP: 23 Min.
Mehrere Mitschnitte versch. Ensembles

Sonatine für Violine und Klavier, 1989
Meiner Tochter gewidmet
UA: Ulm 1991, SP: 6 Min.

Sonata alla Fantasia - in einem Satz für Violoncello und Klavier, 1990
Karl-Heinz Gudat gewidmet
UA: Ulm 1991, Vc. Karl-Heint Gudat, SP: 15 Min.
Mehrere Mitschnitte

"Als am Wintermorgen Papa's Auto nicht ansprang", 1991
Passacaglia für Violoncello solo
Meinem Sohn gewidmet
UA: Ulm 1991, SP: 3 Min.

ICE 691 - Hochgeschwindigkeitsboogie für variable Besetzung, 1991
UA: Ulm 1991, SP: beliebig.

"Elegie mit dir" zu eigenen Worten für Sopran und Streichquartett, 1993
SP: 13 Min.

"Hegelianer-Ragtime" für Schulorchester, 1995
UA: Magdeburg 1995, ca. 30 Aufführungen, SP: beliebig

"Ich will vor meiner Türe kehren", 1996
Variationen für Violoncello und Klavier über einen guten Vorsatz Georg Philipp Telemann's
Meinem Sohn gewidmet. UA: Magdeburg 1996, SP: 6 min.

Stadien für Violine Solo, 1998 - 2001
I. Kanon - Melodie - Passacaglia - Suite cubiste, Meiner Tochter Irene gewidmet
II. Vier monologische Etüden, Christiane Edinger gewidmet
III. Fantasie und Capriccio concertant, dem Gedächtnis Max Kaysers gewidmet
UA: Nürnberg, 2001, Christiane Edinger (Mitschnitt BR), SP: 15 Min.
Rezension

Sieben Grotesken für Violine und Viola, 2007
Irene und Valentina gewidmet
UA: Ulm, 2007
SP: 17 Min.
siehe Discographie
Auszug

Fantasie für Violoncello solo, 2007
Felix gewidmet
UA: Hamburg/Stralsund 2008
SP: 12 Min.

Athene tanzt, 2008
für Katharina
Klarinette solo
SP: 6 Min.

Humoresken für Violine und Violoncello, 2008
Marcus Honegger und Andreas Deindörfer gewidmet.
UA: Flensburg 2008. Vl.: Marcus Honegger, Vc.: Andreas Deindörfer
SP: 11 Min.

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Sinfonische Werke

"UCKERMARKER RHAPSODIE", 2013
Für Violine und Violoncello mit Streichorchester oder Klavier (Trio-Fassung).

Aiko Ogata und Balint Gergily sowie dem Preußischen Kammerorchester gewidmet Auftragswerk des Preußischen Kammerorchesters Prenzlau. SP: 15 Min. Streicherbesetzung (mindestens, inklusive Soli): 4/3/2/2/1. Der Part der Klavierfassung ist in der Partitur enthalten.

Weitere Informationen


"Elegie mit Dir"
Für Sopran und Streichinstrumente.
UA: Preußisches Kammerorchester, 2012. SP: 13 Min.

„ELEGIE mit Dir“ für Sopran und Streichinstrumente entstand im Sommer 1993 und erwies sich als Studie zur unmittelbar danach geschriebenen Sinfonie „Magdeburger Elegie“. Jahrelang stand sie in deren Schatten; erst die Neufassung 2011 gab ihr eigenes Licht. Die Worte zur ELEGIE wurden erst nach der Komposition gefunden. Sie sind – wie der Untertitel andeutet – persönlich und bedürfen keiner Erläuterung. Formal ist die ELEGIE eine fünfteilige Fantasie. Sie beginnt am Horizont der Vergangenheit und endet am Horizont der Zukunft. Dazwischen kommen die Prozesse des Werdens und des Vergehens zum Ausdruck. In der Mitte wird Gegenwart als Glück und als Stress wahrgenommen. In der Neufassung wurde ein (ausschließlich zupfender) Kontrabass hinzugefügt, um den tänzerischen Charakter zu betonen. Außerdem wurden einige Worte wieder gelöscht – Vokalisen umschreiben statt ihrer - wie Gedankenstriche – das Unsagbare. Mathias Husmann, 2012


Erste Sinfonie "Magdeburger Elegie", 1993
Für gemischten Chor und Orchester in einem Satz zu eigenen Worten.
Sabine und Dr. Wilhelm Matejka gewidmet
UA: Magdeburg 1997, Magdeburgische Philharmonie, Opernchor, Singakademie, Studiochor Braunschweig, Dirigent: Mathias Husmann
Aufn.: MDR, CD Sommer 1998, SP: 25 Min.
3 Fl . /3 Ob. / 3 Kl. / 3 Fg. / 4 Hr. / 3 Pos. / Tba. / Hrf. / Schlagz. (4 Spieler) / Pauken / Str.
Auszug
siehe Discographie

"Die Sinfonie ‚Magdeburger Elegie' schrieb ich im Sommer 1993 nach meinem ersten Jahr als GMD am Theater der Landeshauptstadt. Unter dem Eindruck der ‚elegisch'-schönen Elblandschaft und angesichts der aufgewühlten gesellschaftlichen Situation in der Stadt entstand in zwölf Tagen ein Werk, das meinem eigenen, kleinen Lebensbogen unter den großen Bogen unserer Welt stallt." Mathias Husmann im Oktober 1997

 

Die erzwungene Dimission, 2003
Eine Weimarer Schloss- und Riegel-Kantate
Auftragswerk des Preußischen Kammerorchesters Prenzlau zum Bach-Jahr
UA: Prenzlau 2003 (CD-Produktion), SP: 20 Min.
Auszug
siehe Discographie

Libretto herunterladen

"Die erzwungene Dimission ist keine kompositorische Auseinandersetzung mit Bach - Bach ist zu groß. Ich habe eine grotesk anmutende Episode seiner Weimarer Zeit zu einer Szene für Bariton und Orchester gestaltet. Man erkennt die musikalischen Strukturen einer Bachschen Kantate: Sinfonia, Rezitativ, Arie, Duett, Choralbegleitung und Schlusschoral. Die Szene ist eine Schlossführung durch das Weimarer Schloss, in welchem Bach 1717 "einsaß". Meine Musikstücke sind knapp und parodistisch gehalten, sie gruppieren sich respektvoll um ein originales Orchesterwerk von Bach, welches ich für Bläser "registriert" habe. Darüber liegt ein Streichercluster, der wie ein Patina-Schleier dieses wunderbare Werk in die Ferne rückt. Dazu erzählt der Schlossführer (Bariton) die eigentümliche Geschichte der Entstehung des Weimarer Orgelbüchleins." Mathias Husmann im September 2003

 

Kegel statt Trio, 2006
Musikalische Groteske zum Mozart-Jahr
Auftragswerk des Preußischen Kammerorchesters Prenzlau
UA: Prenzlau 2006, SP: 20 Min.

"Kurz vor Toresschluss beim Mozartgedenken erfährt der Jubilar noch eine kurzweilige Würdigung durch Mathias Husmann, Generalmusikdirektor am Theater Vorpommern und originellem Komponisten. ‚Kegel statt Trio' nennt sich die durch das Preußische Kammerorchester ihm in Auftrag gegeben Novität, die Mozarts ‚Kegelstatt-Trio' reichlich zitiert. Dann trüben dissonante Töne die Harmonie. Sie zielen zweifelsohne auf die Querelen vergangener Jahre um Sein oder Nichtsein der "Preußen" in Prenzlau. Eingestreute verbale Wortwechsel sinnspielen zusätzlich mit dem Stücktitel. Statt also Trio zu spielen, wird auf dem Podium - szenischer Überraschungscoup - sinnbildlich gekegelt.

Als ‚Amtmann', ‚Schulze' und ‚Kantor' gemeinsam eine ruhige Kugel schieben und dabei alle Neune treffen, fragen die nunmehr gekippten Musiker entgeistert: ‚Und wo ist unser Orchester geblieben?'. Nun, erfreulicherweise immer noch da, denn sonst hätten sie diese musikalische Groteske unter der klavierspielenden Leitung ihres Schöpfers nicht aus der Taufe heben können, wie es beim Saisonstart der "Klassik"-Konzertreihe geschah. (…) Die ‚Preußen' spielen auf oberligareifen Niveau, sind darob kaum wieder zu erkennen. Man sieht sich mit stehend dargereichtem Beifall bedankt ". Nordkurier, 30.11.2006

Hören

 

Musikalische Tanzdichtung „Gorch Fock“ 2011
für zwei Schauspieler, großes Ballett und Orchester Musik und Dichtung unter Verwendung originaler Texte in Zusammenarbeit mit Friedrich Kabermann von Mathias Husmann Aufn.: RSB, Sommer 2012, SP: 2,25 h 2/2/2/2 – 2/2/3 + Tb, Schl. (4), Hf., Str.

Exposé Gorch Fock

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Oper

"Dame mit Noten"

Neun Opernszenen zu einem Bild der Giuseppina Strepponi im Teatro alla Scala di Milano

UA: 8. September 2015, Auftragswerk der Hamburger Kammeroper

"dieser Brief
soll auf mein Herz gelegt sein
wenn man mich begräbt"
(Giuseppina Strepponi)

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"Zugvögel"



UA: 7. März 2009, Theater Stralsund

Video von der Hauptprobe

"Dreißig Jahre wartete die Musikwelt auf die Achte Sinfonie von Jean Sibelius, aber der finnische Komponist schwieg seit seinem zweiundsechzigsten Lebensjahr. Dreißig Jahre wartete ein alternder Künstler auf die Wiederkehr der Zugvögel als auf die Wiederkehr der Inspiration. Meine Oper schildert den dreißigjährigen Albtraum eines Einzelnen aus Angst, Alter, Depression und Alkohol im Albtraum der Geschichte aus Faschismus, Weltkrieg, Holocaust und Atombombe. Diese Hommage auf Jean Sibelius ist zugleich ein Requiem auf das zwanzigste Jahrhundert." Mathias Husmann im Sommer 2000

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Summary of the opera (engl.)

Buch zur Oper „Zugvögel“ (Friedrich Kabermann / Mathias Husmann)
Das Buch „Zugvögel“ enthält neben Friedrich Kabermanns Theorie zur modernen Kunst das Libretto zur Oper Zugvögel, Notenblätter, Fotos der Aufführungen, Pressestimmen und Interviews mit den Hauptdarstellern Anette Gerhardt und Benno Remling.
Erschienen im Otto-Johann-Verlag, Lubmin. ISBN: 978-3-940844-14-9.


Schauplatz:

Ainola 1927-57

Personen:

Jean (Janne, Jan) Sibelius Komponist - (schwerer) Baß
Aino, seine Frau - (hoher) Sopran

Deren Töchter (in Partiturreihenfolge)

Heidi - Sopran
Margareta - Sopran
Katarina - Mezzo
Ruth - Mezzo
Eva - Alt

Ainos Brüder (in Partiturreihenfolge)

Armas (Dirigent ) - Tenor
Eero (Maler ) - Bariton
Arvid (Schriftsteller) - Baß

Santeri Levas (Sekretär bei Sibelius) - (Buffo) Tenor

GROSSER GEMISCHTER CHOR

Im ersten Bild (Voces intimae) hinter der Szene
Im zweiten Bild (Die Stille Ainolas) "
Im dritten Bild (Sturmgeheul) "
Im vierten Bild (Die Kriegstoten) auf der Szene, halbszenisch
Im Epilog (Die Zugvögel) hinter der Szene

Im dritten und vierten Bild Ballett/Bewegungschor

Orchesterbesetzung:

2 Fl (beide auch Picc), 2 Ob, 2 Kl, 2 Fg (2tes auch Kfg), 4 Hr, 3 Trp, 3 Pos, Tb, Schlzg (vier Spieler), Pk, Hfe,
Str: 12 / 10 / 8 / 6 / 4
im zweiten Bild Flügel (hinter der Szene)
im vierten Bild Orgel (im Orchester oder hinter der Szene)

Spieldauer

2.45 Std.

Inhalt der Oper

Erstes Bild: 10. Mai 1927

Familienfeier in Ainola anläßlich Ainos Namenstag. Auf dem nahen Tuusula-See gehen Schwäne nieder. Dieses "Zeichen der Natur" sowie eine hitzige Diskussion zwischen Janne und seinen Schwagern lösen den Beginn der Komposition der "Achten" noch in derselben Nacht aus. Dabei erlebt der Komponist eine für ihn unerklärbare, schreckliche Vision, er bricht die Arbeit ab.

Zweites Bild: 24. Juni 1933

Aino pflückt Rosen in ihrem Garten anläßlich Jannes Namenstag. Ihr Bruder Eero schaut vorbei. Gespräch über Jannes Schweigen seit sechs Jahren. Janne kommt dazu, er hat Musik geträumt. Eero berichtet von bedrückenden Nachrichten aus Deutschland. Sein salopper Abschiedsgruß ("Mach's gut, Janne"), führt zu einem großen Monolog Jannes, in dessen Verlauf er seelisch zusammenbricht. Aino bewegt ihn, ihr die geträumte Musik vorzuspielen. Es gelingt ihr, ihn zu beruhigen, sodass er die Stille Ainolas wieder sprechen hört. Mitsommernachtszauber.

Drittes Bild: 30 November 1939

Sturmgeheul. Der zweite Weltkrieg hat begonnen. Aino läßt Santeri Levas, den Sekretär seit 1938, ein, bevor sie selber ihre Schwägerin besuchen geht. Levas plant ein Buch ("Bei Sibelius zu Besuch"). Er überfliegt die Post. Janne kommt darüber hin. Irritiert durch aufdringliche Fragen und anzügliche Bemerkungen zur Achten Sinfonie in der Korrespondenz holt Sibelius Whisky und Gläser. Während er Levas betrunken macht, erzählt er ihm phantastische Dinge über die Sinfonie. Levas kann beim mitschreiben bald nicht mehr mithalten. Den dritten Satz (Scherzo) tanzt Sibelius dirigierend auf dem Tisch. Plötzlich sieht Levas durch das nächtliche Fenster roten Feuerschein: "Helsinki brennt/die ersten Luftangriffe", ruft er und torkelt betrunken zu seinem Auto. "Helsinki brennt", murmelt Sibelius am Fenster stehend, "das Finale hat begonnen".

Großes Zwischenspiel: 1939 - 1945

Viertes Bild: 8. Dezember 1945

Abend des achtzigsten Geburtstages von Sibelius. Die Gäste sind gegangen. Aino und die Töchter machen die Küche klar. Janne monologisiert über sein Leben: "einmal noch schaffen können/einmal über den Rand schauen.../einmal/nur einmal/ begreifen". Da erscheinen durch die Wand unangemeldete Gäste: Die Toten des Zweiten Weltkriegs. Sie wollen für ihn und mit ihm musizieren. Sie fordern von ihm die Achte Sinfonie. Als er sich weigert, zwingen sie ihn, die Skizzen aufzuschlagen und schreiben mit seiner Hand und seinem Kopf das grausige Werk des Weltkrieges. Dabei führen sie ihm hautnah vor, was er nur aus der Ferne durch Rundfunk und Berichte vernommen hat. Den Höhepunkt bildet die Vision von zwei "Zugvögeln", die nach Hiroshima und Nagasaki fliegen. Janne begreift. Er widmet das soeben beendete Werk den Toten, indem er es den Weg gehen läßt, den die Toten gehen mußten: Er verbrennt die Partitur.

Epilog: 1951-57, am Schluß 20. September 1957

Janne und Aino sitzen bewegungslos in der Veranda von Ainola. Endzeit. Da kommen die Zugvögel (Chor) wieder. Janne spricht sie an:

Janne: "Ihr Zugvögel, wohin geht die Reise?"

Chor: "Wir sind auf der Reise
zur achten Sinfo -"

Janne; "Wann wird sie gelingen?"

Chor: "Nie"

Janne: "Wann wird sie erklingen?"

Chor: "Nie "

Janne: "Dann
ihr Vögel meiner Seele
grüßt
meine achte Sinfo -"
(er stirbt)

Chor: "Nie"

(Ende der Oper)

 

"Vivaldi"
"Vivaldi" - il prete rosso. Kammeroper, 1997
Text vom Komponisten.
Meiner Frau gewidmet.
UA: Ulm 2002, SP: 90 Min.

Im Mittelpunkt steht der 60jährige, asthmakranke Komponist Antonio Vivaldi. Als anlässlich der bevorstehenden Uraufführung seiner Oper "Ginevra" in Ferrara der dortige Kardinal ihm einen Skandal inszeniert, weil er als Priester ("prete") seit vielen Jahren keine Messe mehr gelesen hätte, weil er als Priester eine Freundin "amicizia",( Anna Giro) habe, und ihm "Ferrara verbietet", gibt Vivaldi nach dreißig Jahren seine Tätigkeit als "maestro" am Ospedale in Venedig auf und emigriert aus Italien. Die erst im 20sten Jahrhundert gefundene Sterbeeintragung im Totenbuch von St. Stephan in Wien belegt, daß er dort einen neuen Anfang suchte. Die inneren Beweggründe dieses späten "Aussteigens" und die inneren Prozesse auf der beschwerlichen Reise durch das Karawankengebirge als einer Reise zu sich selbst (und auf das zukünftige musikalische Wien zu) bilden das eigentliche Geschehen.

Libretto herunterladen

Violinkonzert aus "Vivaldi"

Weitere Informationen zur Uraufführung

Personen:

Antonio Vivaldi (lyrischer Bariton)
Anna Giro (Koloratursopran)
In einer Person:
Carlo Goldoni (Buffo/Charaktertenor)
Kaiser Karl VI.
Rezitator (vom Tenor dargestellt)
Pfarrer
Orchesterbesetzung: Konzertiertes Violinsolo, Streicher: 2/2/1/1/1, Cembalo, Schlagzeug (3 Spieler)

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